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AutorInnen im NS-Regime

Forschen

Das literarische System in Österreich zwischen 1938 und 1945 abzubilden, ist Ziel des mehrbändigen Handbuchs von Karin Gradwohl-Schlacher und Uwe Baur. Foto: pixabay

Soeben erschienen: Band 4 zur Literatur in Wien während des NS-Regimes. Foto: Böhlau

Einzigartiges Handbuch über das literarische System in Österreich von 1938 bis 1945 – Band 4 erschienen

Es ist so etwas wie ein Lebensprojekt, an dem die GermanistInnen Karin Gradwohl-Schlacher und Uwe Baur in der „Forschungsstelle Österreichische Literatur im Nationalsozialismus“ am Grazer Universitätsarchiv arbeiten: die Erstellung eines umfassenden Lexikons zur „Literatur in Österreich 1938–1945“, so der Reihentitel. Das mehrbändige Werk versteht sich als Handbuch des literarischen Systems der NS-Zeit und schafft eine einzigartige Basis für weiterführende Forschungen. Nach Kärnten, der Steiermark und Oberösterreich widmet sich der der soeben erschienene Band 4 Wien.

Auf 965 Seiten hat Karin Gradwohl-Schlacher in der neuen Publikation – ebenso wie in den ersten drei Bänden – aufschlussreiche Informationen zu Wiens AutorInnen gesammelt. Neben Namen, Geburts- und Sterbedaten sowie Veröffentlichungen finden sich unter anderem Vortragstätigkeiten, erhaltene Förderungen und Preise, Zensurvermerke, Ausbildung, Beruf, Einkommen und Mitgliedschaften, etwa bei der NSDAP oder Vereinen. In vielen Fällen hat die Forscherin zusätzlich eine Biographie der Person verfasst. Vorangestellt ist dem AutorInnen-Teil ein von Uwe Baur erstelltes Organigramm der Wiener NS-Kulturinstitutionen.
„Unser Handbuch ist mehr als ein reines AutorInnen-Lexikon. Es bildet das gesamte literarische System des NS-Regimes in Österreich ab“, erläutert Gradwohl-Schlacher. „Ein eigener Band wird sich den Institutionen – Vereinen, Theatern, Verlagen und Zeitschriften – jener Zeit widmen und sie mit den Informationen zu den AutorInnen vernetzen.“

Als Grundlage ihrer Arbeit dienen den Grazer GermanistInnen die Akten der Reichsschrifttumskammer, -theaterkammer, -filmkammer, -pressekammer, -musikkammer, -rundfunkkammer und Reichskammer der bildenden Künste sowie anderer NS-Bestände, zu denen sie ab 1989 im damaligen Berlin Document Center Zugang erhielten. „Während des NS-Regimes mussten alle Personen, die etwas publizieren wollten, Mitglied einer dieser Kammern sein, die alle in der Reichskulturkammer zusammengefasst waren. Im Zuge des Aufnahmeverfahrens wurden bereits weitreichende Informationen zu den AntragstellerInnen erhoben“, weiß Gradwohl-Schlacher.

Voraussetzung für die Aufnahme in das Handbuch ist, dass der Autor oder die Autorin innerhalb der Grenzen Österreichs, die 1921 gezogen wurden, geboren ist und/oder zwischen 1938 und 1945 dort gelebt hat und mindestens eine Publikation unter dem NS-System vorzuweisen hat. Dabei wurden nicht nur fiktionale Texte, sondern auch andere Beiträge wie etwa Hörspiele und Filmdrehbücher berücksichtigt. So fand unter anderem der Meeresforscher Hans Hass Eingang in Band 4. Die im Lexikon versammelten Informationen beziehen die gesamte Lebensspanne der AutorInnen mit ein. „Auf diese Weise zeigt das Handbuch ihre Integration in die unterschiedlichen Systeme von der Monarchie bis zur Zweiten Republik auf“, erklärt Gradwohl-Schlacher.

Alle bisher erschienenen Bände wurden vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF und aus dem Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank gefördert.

Publikation
Karin Gradwohl-Schlacher
Literatur in Österreich 1938–1945
Handbuch eines literarischen Systems. Band 4: Wien
Böhlau 2018, ISBN 978-3-205-20492-3

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